Und so haben wir geschrieben.
„Sehr geehrte Gemeinde von Mailand, lieber Herr Bürgermeister, lieber Herr Stadtrat für Stadtplanung und liebe Sogemi-Spa, vertreten durch ihren hervorragenden Präsidenten.“
Wir haben eine klare, bürokratische und unzweideutige Sprache benutzt, um zu sagen: Ihr müsst das Macao verkaufen? Lasst uns einen Weg finden, dass die Stadt das Macao kauft. Es ist uns wichtig, einen Dialog mit Euch, illustre Institutionen, zu entwickeln, um diesen Weg zu finden: einen Weg, der Schule machen könnte, neue Türen öffnen könnte, Mailand in eine kühne Stadt und – um ein modisches Wort zu verwenden – in eine Drehscheibe für Innovation verwandeln könnte.

Wir haben eine einfache und direkte Sprache benutzt und nicht mehr als Mut verlangt, einen Akt der Schönheit und der Kraft im Angesicht dieser traurigen Notwendigkeit, das Geschäft von Sogemi zu sanieren – ein unbeholfenes, schlecht geführtes und peripheres Unternehmen, das zu 99% der Gemeinde von Mailand gehört und den Gebäudekomplex in der Viale Molise und das ganze Gebiet des ehemaligen Ortomercato besitzt – das größte Leerstandsgebiet im gesamten städtischen Kontext Europas.

Und so haben wir geschrieben. Und gewartet.

Wir haben auf eine offene Diskussion mit der Gemeinde gewartet, eine Diskussion, die uns versprochen wurde, aber nie stattfand, während Tag für Tag der Verkaufsplan von Sogemi realer wurde und näher kam. In ein paar Tagen wird eine öffentliche Ausschreibung veröffentlicht werden, und irgendwer wird die Frechheit haben, uns zu sagen: „Ihr könnt gern daran teilnehmen, wie jeder andere ehrliche Bürger das auch tun würde.“ Warum? Um uns von den Holdings, den Immobilienentwickler_innen oder irgendjemandem erdrücken zu lassen, der es sich leisten kann, ein gigantisches Gebäude leer und verschlossen zu halten, das schon einmal tot war, dann wiedergeboren wurde und nun wieder davor steht, geopfert zu werden? Denn das ist es, wozu die öffentliche Ausschreibung dienlich sein soll. Nicht dafür, der Zivilgesellschaft, den Vereinen oder den Gruppierungen von Bürger_innen Raum zu geben, sondern vielmehr die Einkünfte so hoch wie möglich zu treiben oder an die zu verkaufen, die es sich leisten können: Wir sprechen von Investmentfonds und großen Konzernen, die auf Spekulation und Profit ausgerichtet sind. Das ist etwas ganz anderes als Austausch mit den Vereinen, lokale Entwicklung, Einbezug durch Innovation und ähnliches Blabla.

[Unter dem Galfa-Hochhaus waren wir Tausende. Unter dem Hochhaus haben vor fünf Jahren Tausende Personen die Narrative verändert, Worte erfunden, Reden gehalten. Unter dem Hochhaus, das heute nichts mehr ist und das bald Luxus für die wenigen sein wird, waren wir zu Tausend.]

Soziales Gewebe, Regierung des Territoriums, städtische Brache und städtische Fülle stehen im Mittelpunkt unsrer Fragen, seitdem das Macao existiert. Nach zwei Jahren harter Arbeit haben wir dem damals von Giuseppe Pisapia geleiteten Stadtrat eine Entschließung vorgelegt. Paragraph für Paragraph haben wir ein Governance-Modell entworfen, in dem die Verbindung von politischem Handeln und Nutzung der Stadträume nicht auf die Schaffung eines politischen Konsenses beschränkt ist, sondern den Bürger_innen erlaubt, die städtischen Räume in kreativer Weise zu nutzen, vielleicht ungewohnt, aber in Bezug auf ihre besonderen Wünsche. Denn das ist es, was wir wirklich brauchen - Werkzeuge, die uns erlauben, darauf Antworten zu finden, wo wir bisher nichts anderes gefunden haben als Leere und Schweigen. Diese Entschließung wurde nie erörtert, und dementsprechend auch nie genehmigt. Schweigen. Schweigen. Ende der Durchsage. Eine Veränderung wünschen, um gleich zu bleiben. Schweigen. Wir bleiben standhaft.

[Während dieser fünf Jahre hat Macao fast 2000 Künstler beherbergt. Dutzende von Kooperationen mit Universitäten und Institutionen. Hunderte von Produktionen in allen Bereichen der Kunst und Kultur. Ein Publikum von Hunderttausenden. Sie mögen Zahlen? Vergleiche sind Ihr Massstab? Sie lieben Statistiken? Machen Sie ihre Vergleiche. Vergleichen Sie den Wert, der geschaffen wurde, wie viel noch erreicht werden könnte, wenn uns Zeit gegeben, wenn diese Erfahrung abgesichert wird.]

Warum etwas wagen? Wozu ein Risiko eingehen und es versuchen? Wenn die Wünsche der Bürger_innen nicht ausreichen, wenn es nicht ausreicht, die Partizipation anzurufen, die direkte Demokratie und die Innovation, oder die Tatsache, dass Mailand Kulturhauptstadt werden will; wenn es nicht genügt, nach mehr zu streben, sich ein Jenseits vorzustellen, ein Morgen vorauszusehen: weil wir hier genauso wie anderswo ein Dorn im Hintern sein werden.

[Im Palazzo Citterio habt ihr uns mit der Gewalt der Armee geschlagen. Es waren dringende Arbeiten zu tun, Bildende Künste, Verträge und Ministerien der Mitte. Dringende Werke, die noch immer ihres Anfangs harren. Ihr musstet uns mit der Gewalt der Armee schlagen, um die Leere zu schaffen: Eure Politik erschafft die Leere.]

Wenn also dieses Schweigen, dieses Warten, dieses die-Dinge-passieren-lassen, gemäss dessen es eine Ausschreibung für die Viale Molise 68 geben wird, an der wir nicht teilnehmen können - wenn dies also eure Wahl ist, hohe Verwaltung, wird dies keine Wahl sein, die unsere Wünsche zähmen wird.

Wir haben geschrieben, wir haben gewartet und jetzt:
LIEBE: Nie zuvor war es so notwendig, sehr zahlreich zu sein, die Kompliz_innen zu vervielfältigen, die Solidarität und den Kampf, um diesen Weg zu bestärken. Macao gehörte schon immer allen, und wir sind so viele!
Registriert euch im Verein zum Kauf Macaos: http://www.macaomilano.org/
LIEBE (nochmals): Wir müssen mit der ganzen Stadt reden, wir werden den Preis gemeinsam festlegen! > Öffentliche Versammlung am 22. April.
Und schliesslich: LIEBE & BORDELL> so viel es auch braucht.

[Von der einunddreißigsten Etage des Hochhauses hinunter auf die Erde fahren und die Stadt umdrehen. Oder: Wir könnten sogar ans Fliegen denken …]

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Mehr über die Zukunft des Galfa-Hochhauses, mit Rücksicht auf das Wohlbefinden der Stadt:
http://ricerca.repubblica.it/repubblica/archivio/repubblica/2016/09/02/galfa-via-ai-lavori-la-torre-fantasma-diventera-un-hotelMilano02.html

Mehr über den gegenwärtigen Stand der Vernachlässigung des Palazzo Citterio:
http://milano.corriere.it/notizie/cronaca/16_maggio_04/gioco-dell-oca-mezzo-secolo-palazzo-citterio-all-ex-caserma-88a5f526-11b7-11e6-83c1-0dbc221175cd.shtml

Hier der Entschließungstext, den wir zwischen Sommer 2014 und Herbst / Winter 2015 entwickelt haben:
http://www.macaomilano.org/spip.php?article456

Für einen Überblick über die tatsächlichen Möglichkeiten einer Stadtverwaltung in Sachen sozialer Innovation:
http://www.comune.napoli.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/16783