Wenn der Staat nicht interveniert, wird das Collège international de philosophie im November 2014 nach 30 Jahren erfolgreicher Tätigkeit inmitten eines soliden internationalen Netzwerks seine Pforten schließen. Ein Freiraum für Erfahrungen, innovative Forschung und eigenständiger Bildung wird verschwinden. Die Schlinge des Ministeriums für Forschung zieht sich zu: Die Subventionierung durch 240 000 Euro wird bis dato blockiert. Das Collège benötigt diese Summe umgehend, um vier Gehälter an Verwaltungskräfte zu bezahlen, Mitarbeiter, die andernfalls arbeitslos sein werden. Die Gelder sind eforderlich, um eine minimale Grundausstattung zu gewährleisten, damit die Arbeit von 50 in Frankreich und im Ausland unentgeltlich tätigen Directrices und Directeurs de programme fortgesetzt werden kann.

Das Collège international de philosophie ist eine nicht-kommerzielle, als gemeinnützig anerkannte Vereinigung, 1983 entstanden aus einer Verbindung politischen Willens seitens des französischen Staates und einem unbedingten Anspruch des Denkens, erhoben von Intellektuellen und Philosophen – unter ihnen François Châtelet, Jacques Derrida, Jean-Pierre Faye et Dominique Lecourt. Es vertritt keine offizielle Philosophie. Es unterhält seine Aktivitäten mit lächerlich geringen Mitteln, im Verhältnis zu Zahl und Qualität der hervorgebrachten Ergebnisse und deren Einfluss auf das intellektuelle Leben, die Philosophie und Geisteswissenschaften. Allein aus dem Vertrauen auf die Wirkkraft des Denkens heraus wurde hier der Austausch unter Philosophen, Intellektuellen, Schriftstellern, Wissenschaftlern, Künstlern und mit der bürgerlichen Gesellschaft befördert. Das Collège ist konstitutives Element einer Öffentlichkeit, in der kritisches Denken gepflegt und in aller Freiheit immer wieder erneuert wird – nationale, sprachliche und fachliche Grenzen übergreifend. Neben anderen Einrichtungen für höhere Bildung und Forschung ist das Collège immer seinen Verpflichtungen nachgekommen.

Allein im letzten Jahr hat das Collège 720 Stunden öffentlicher und kostenfreier Seminare angeboten. Es wurden Kolloquien organisiert, Studientage, Symposien zu Büchern, im Gespräch mit den Autoren… Mit vier Ausgaben pro Jahr ist die Rue Descartes, die Zeitschrift des Collège, online und als open source kostenlos für jedermann zugänglich; ihre Besucherzahlen wachsen stetig.

Seit kurzem ist das Collège assoziiertes Mitglied der Universität Paris Lumières, zusammengesetzt aus den Universitäten Paris 8 et Paris Ouest Nanterre, dem CNRS (Centre national de la recherche scientifique) und anderen Institutionen. Die vom Ministerium für Höhere Bildung und Forschung zugesagte Zahlung von 240.000€, zuzuwenden über die Universität Paris Lumières, ist – ohne jegliche Erklärung – nicht erfolgt, was das Collège an den Rand des Ruins bringt.

Wir fordern die Beibehaltung der Finanzierung „Recherche“ in Höhe von 240.000 € jährlich, die dem Collège seine Funktionsfähigkeit ermöglicht. Im Namen des Rechts auf Philosophie für Alle, in einer demokratischen Gesellschaft, fordern wir auch die dauerhafte Erhaltung der Existenzbedingungen des Collège.

Gibt es denn nun heute in Frankreich einen klaren politischen Willen, sich für freie und ambitionierte Forschung zu engagieren? Unser Wunsch ist es, dass das Collège noch viele Jahre lang weitere Generationen von Denkern aus aller Welt empfangen kann, die sich für das Hervorbringen eines kritischen und freien Denkens einsetzen, offen für Alle.

Paris, den 17. Octobre 2014
L’Assemblée collégiale du Collège international de philosophie
collectif@ciph.org

Petition: https://www.change.org/p/sauvons-le-collège-international-de-philosophie-pour-le-droit-à-la-philosophie-pour-tous