Zum hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution veröffentlicht transversal texts die durchgesehene Neuausgabe von Gerald Raunigs Kunst und Revolution. Als differenzierende Affirmation (post-)revolutionärer Avantgarden versucht die Studie unter anderem eine Relektüre des sowjetischen Produktivismus um Eisenstein und Tretjakov. Deren revolutionäre Praxen und ihr Austausch mit Brecht und Benjamin in den 1920er Jahren bilden die Mitte reichen Materials zur Analyse der Verkettung von Kunst und Revolution im „langen 20. Jahrhundert“. Die inzwischen in einige Sprachen übersetzte und ausgiebig kommentierte Studie reicht von Gustave Courbets Engagement in der Pariser Commune und deutsche Aktivismen der 1910er Jahre über die Situationistische Internationale und die Wiener Aktion „Kunst und Revolution“ im Mai 1968 bis hin zur Genealogie der VolxTheaterKarawane von einem anarchischen Theaterkollektiv der 1990er Jahre zu einer queeren Verkettung im antirassistischen noborder-Netzwerk Anfang der 2000er.

Im neuen Vorwort aktualisiert Gerald Raunig seine Theorie der Revolution anhand der verwobenen Interpretation der Pariser Commune und der aktuellen Aneignung der Städte durch die munizipalistische Bewegung in Spanien seit 2015. Soziale Revolution, condividuelle Revolution der Sorge, molekulare Revolution – revolutionäre Maschinen, die den Staatsapparat nicht einfach übernehmen, sondern seine Form erneuern wollen: „Die molekulare Revolution bewegt sich mit diesen revolutionären Maschinen, als soziale Umhüllung, Vielheit der Sorgebeziehungen, Wiederaneignung der Stadt.“