09 2018

Für Zak: Die Verantwortung unserer Trauer

Kollektiver Text

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In den letzten Tagen beobachteten wir fassungslos und voller Zorn die Entwicklungen bezüglich des unerwarteten, gewaltsamen und ungerechten Todes des Queer-Aktivisten und Drag-Performers Zak Kostopoulos im Zentrum von Athen.

Die rassistischen und homophoben Positionen bzw. die öffentlich lancierten Diffamierungen einiger unserer Mitbürger_innen, sowie die anfänglichen von Desinformationen strotzende unethische Berichterstattung über die Ereignisse in bestimmten Massenmedien, können nicht genug verurteilt werden. Nichtdestotrotz kam es nur in der LGBTQI-Gemeinschaft – zu der Zak gehörte und die er aktiv mitgestaltete – sowie anderer Kollektive, Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen zu unmittelbaren Reaktionen. Und all diese solidarischen Gruppen und Initiativen haben die Forderung geäußert, dass die Bedingungen der Ereignisse des 21. Septembers vollständig untersucht werden müssen.

Wir alle sind schockiert über die Verfahrensfehler und Vertuschungen, die die ersten Untersuchungen der Ereignisse, die zu Zaks Tod geführt haben, kennzeichneten. Diese offensichtlich orchestrierten Verfahrensfehler und Vertuschungsversuche könnten tatsächlich notwendige Untersuchungen und damit  die Bedingungen der Rechtssprechung erschweren. Wie die Staatsanwaltschaft und zahlreiche  Zeug_innen  angeben, waren die Untersuchung und ersten Aufzeichnung des Vorfalls, die Erfassung des Untersuchungsmateriales sowie die Aufzeichnung der Augenzeugenberichte bzw. deren bereits in den Medien veröffentlichten Bewertungen durch gravierende Lücken und Unzulänglichkeiten gekennzeichnet.

Die zahlreichen Reaktionen auf Zaks Tod der letzten Tagen entstanden dementsprechend nicht zufällig. Im Gegenteil, angesichts der Bedeutung dieses Falles sowie der augenscheinlichen Sensibilisierung eines großen Teil der Öffentlichkeit unterstreicht die Notwendigkeit, dass wir uns mit etablierten Praktiken der Gewalt, der Rechtsverletzung und der Vertuschung, die gerade auch innerhalb der Institutionen auftreten, auseinanderzusetzen haben. Aus diesem Grund rufen wir alle zuständige Behörden und Institutionen sowie alle mit der Untersuchung befassten Regierungsbeamten auf, die notwendige Besonnenheit, den Mut und die Effizienz zu zeigen, die in diesem schwierigen Moment erforderlich sind.

Dies ist nicht nur eine Frage des Respekts gegenüber dem Verstorbenen Zak Kostopoulos und der Parrhesia, die er zu Lebzeiten verkörperte. Es ist auch eine Pflicht für uns alle.

Unterzeichnet von mehr als 100 griechischen Akademiker_innen.

Siehe auch:

https://www.heise.de/tp/features/Lynchmord-in-Athen-4171262.html
https://gay.ch/news/griechenland-bekannter-gay-aktivist-wurde-in-athen-ermordet