01 2026
Jetzt wollen wir mal alle tief Luft holen und gemeinsam schreien
Ein Nachgespräch zwischen Bjørn Melhus, Angela Anderson, Jan Peters und Johanna Schaffer, 29. August 2025
Anlass des folgenden Gesprächs war die Eröffnungsrede Bjørn Melhus' für den Kunsthochschulrundgang 2025, die auf der Monopol-Seite veröffentlicht ist. In dem Text sind performativ-ästhetische Entscheidungen allerdings kaum sichtbar, und über diese wollten wir sprechen. Bjørn Melhus hielt seine Rede im luftig verglasten Hörsaal des Nordbaus der Kunsthochschule, einem berühmten, aber desolaten, weil dem Zerfall überlassenen Architekturdenkmal Kassels der späten 60er Jahre. Im Publikum saßen viele Studierende und Lehrende und die Kolleg*innen der zahlenmäßig kleinen KhK-Verwaltung. Anwesend waren auch der Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, die Präsidentin der Universität Kassel, Ute Clement und der Vizepräsident für Forschung, Michael Wachendorf. Wie zur Rundgangseröffnung üblich, nahmen auch viele in Kassel lebende Menschen teil, die sich beruflich und privat für den Rundgang und die Kunsthochschule interessieren.
Johanna: Bjørn, ich bin Dir für diese mutig Kritik übende Rede dankbar, weil sie uns hilft – uns, die an der Kunsthochschule Kassel gegen das argumentieren, was wir als administrativ vollzogene Ungerechtigkeiten, Ausbeutungen und strukturelle Vernachlässigung verstehen. 'Wir' – das sind Lehrende der KhK in sehr unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen, die sich seit kurzer Zeit oder wie Du seit zwanzig Jahren dagegen wehren, wie sie von der Administration der Universität regiert werden. Es sind aber auch die Studierenden, die sich während der Eröffnung lautstark beschwerten und sogar ihren eigenen Eröffnungsabend bestreikten, indem sie ihre Ateliers schlossen. Bjørn nennt in seiner Rede die Instanz, die regiert, administriert, plant und dabei ausbeutet und erniedrigt das Master-Control-Programm. Gemeint ist, glaube ich, besonders die Entwicklungsplanung der Uni Kassel, die ja sehr zentralistisch und damit gar nicht neoliberal geführt wird. Selbstredend lässt sich auch sagen, die Entwicklungsabteilung macht nur ihren Job, sie entwickelt eine Universität, so gut sie eben kann. Unser Gegenargument ist, dass diese entwicklerischen Logiken nie an den Bedarfen und zunehmend weniger, so behaupten wir auch, an den gesetzlichen Vorgaben für Kunsthochschulen orientiert sind. [1] Anders gesagt werfen viele an der Kunsthochschule der Universität in diesen Entscheidungen Willkür vor.
Angela: Als uns mitgeteilt wurde, dass die Universität sparen muss, war mein erster Gedanke: ich höre das die letzten Jahre ständig und in den verschiedensten Kontexten, immer müssen Bildungseinrichtungen sparen. Und ich stelle einen Zusammenhang her zu den USA, wo eben, wie Masha Gessen schrieb, nicht nur gespart wird, sondern öffentliche und politische Institutionen gänzlich demontiert werden.[2] Da wir uns aber in einer gesellschaftlich sehr gefährlichen Situation befinden, sollten Institutionen nicht einfach vorauseilend aufgeben. Sicher ließe sich sagen, ah, das ist eine kleine Kunsthochschule in Nordhessen. Aber tatsächlich ist das, was wir hier erleben, die Spitze des Eisberges. Und in einer Zeit, da suggeriert wird, niemand soll sich gegen das wehren, was ich autoritäre Bewegungen nennen würde, sind Positionen wichtig, die dem Denken in Excel Sheets etwas entgegenhalten – einem Denken, für das alles in Nummern darstellbar ist und keine anderen als ökonomische Werte gelten. Dieses Spardenken ist mit Erwachsenheit, Rationalität und logischem Denken konnotiert – als Syriza in Griechenland die letzten Wahlen verlor und eine rechtskonservative Regierung an die Macht kam, hieß es: jetzt sind die Erwachsenen zurück.[3] Einen letzten Punkt will ich noch machen: in Berlin wurde im Frühjahr 2023 unter der CDU-Regierung die Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt umbenannt – das ist aber genau nicht die Rolle der Kunst, und genauso wenig ist ihre Rolle, hübsche Dinge zu produzieren. Die Aufgabe von Kunst ist, zu kritisieren und andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Für unsere Situation an der Schule war es ein glücklicher Zufall, dass es zu regnen begann und die Eröffnungsreden von der Außenbühne in den Hörsaal verlegt wurden. So mussten alle Anwesenden zuhören, und es entstand ein akustischer Raum, der zum Teil bombastisch war.
Bjørn: Danke Euch, dass wir die Situation der Rundgangseröffnung noch einmal aufgreifen. Ich will einige Punkte ansprechen: Das Master Control Program ist ein Zitat aus dem Film Tron, eine Walt Disney Pictures Produktion aus dem Jahr 1982, in dem der Hauptantagonist, ein Herrschaftssystem, alle anderen kleineren Programme knebelt. Ich habe den Begriff 'Universität' am Anfang der Rede einmal durch ‘Master Control Program’ ersetzt, um den Bogen weiter zu spannen. Darin enthalten ist auch ein spielerischer Umgang mit Referenzen, der für mich wichtig ist. Und auch wer die Referenz nicht kennt, weiß, was gemeint ist. Mich interessiert, dass, wie Johanna sagt, wir entgegen generell neoliberalisierter Strukturen an der KhK ein sehr zentralistisches Entscheiden erleben, das wir in Bezug auf unsere Belange und Nöte als willkürlich erfahren. Über unsere Köpfe hinweg werden Entscheidungen formuliert, die mit unseren Belangen nichts zu tun haben; und es gibt eben keine Sichtweise auf die Kunsthochschule, weil es kein Verständnis für sie gibt. In meiner Rede fordere ich deswegen auch zu dem gedanklichen Experiment auf, sich vorzustellen, die Uni würde von einer Künstler*in geleitet, die von Wissenschaft keine Ahnung hat.
Jan: Angela, ich teile, was Du sagst – wie schrecklich es ist, über Jahre hinweg mit Kürzungsrhetoriken und -praktiken zu tun zu haben. Aber ich fürchte, es ist eben nicht die Spitze des Eisbergs, sondern schon der Durchbruch. Ich fürchte auch, dass das Neoliberale nicht mehr der Hauptgegner ist, sondern das Autoritäre; und dass es somit nicht mehr nur um die Übersetzung aller Gegebenheiten in Zahlen als Repräsentanten des Ökonomischen geht, sondern um Willkür, Tilgen, Vernichten. Schön, wie Du beschreibst, Angela, dass durch das Verlegen der Eröffnungsreden in den Hörsaal eine Situation wie im Theater entstand. Björn, Du hast ja auch viel am Theater zum Beispiel mit Falk Richter gearbeitet. Die Art, wie Du Deine Eröffnungsrede vortrugst und darin auch immer wieder Momente des Schreiens eingebaut waren, erinnerte mich an die Theaterwochenenden in der Berliner Volksbühne (das ganze Haus ist offen, man kann in die Garderoben gehen und in den Zwischenböden finden die Partys statt). Oder an Hamburg, als die erste Rechtsaußen-Regierung mit Roland Schill überraschend an die Macht kam, die dann den Vertrag des Schauspielhaus-Intendanten Tom Stromberg kündigte. Der nutzte das verbleibende Jahr seines Vertrags mit Create-Resistance-Aktionen und Schill-out-Partys, und Schreien war darin immer enthalten!
Johanna: Apropos Schreien, was mich an dieser Rede-Performance Bjørns besonders beschäftigt, sind Elemente, die über den auf der Monopol-Seite abgedruckten semantisch-linguistischen Text hinausgehen. Ich will auf das sich wiederholende Moment des Aufrufs zu kollektivem Schreien hinaus – Bjørn, der die Darlegung seiner immer wieder sehr pointierten Kritik durch folgende Aufforderung unterbricht: "Hier wollen wir mal alle tief Luft holen und gemeinsam schreien: eins-zwei-drei [atmet tief ein ins Mikro, hüpft in die Höhe, während er die Knie anzieht, nicht elegant, sondern an kindliche Bewegungen erinnernd, und fängt dann zu schreien an] aaaaaaaaaaaaaaaaah". Auf der Handy-Aufzeichnung, die Du, Angela, von der Rede erstellt hast, hört man Dich immer wieder lachen. Auf anderen Videos sind viele junge Menschen zu sehen, die, offensichtlich vorbereitet, auf mitgebrachte Töpfe und Pfannen hauen und laut schreien. Und es sind in den vorderen Reihen des Saals ältere Menschen zu sehen, die den Kopf nach unten neigen, sich vorbeugen, sich wegwinden. Ich bin nicht zu sehen, aber ich wäre potenziell eine von ihnen. Mir war das zu sehen und zu hören peinlich, ich habe mich geschämt für meinen Kollegen Bjørn, der sich so entblößt, und es war mir peinlich, von ihm aufgefordert zu werden, in dieses Entblößungs-Szenario einzutreten. Es brauchte ein paar Tage, bis ich verstand, dass ich Bjørn nicht nur beim Vollziehen antiheroischer Gesten zugesehen, dass er nicht nur die Demontage der eigenen Sprecherposition unternommen hatte. Bjørn kritisierte klar und deutlich, und nahm eine tendenziell heroische oder zumindest heroisierbare Sprecherposition ein, die für Viele ein leichtes Identifikationsangebot bereithält. Aber dieses Angebot wurde mehrfach unterbrochen, wenn Björn hochhüpfend losschrie und uns Zuhörende aufforderte, schreiend in den Raum des Sich-Zur-Schau-Stellens einzutreten. Dieser Raum ist eben als Raum des Performativen auch ein Raum des Exhibitionismus, der Transgression, und damit zusammenhängend der Scham, der Peinlichkeit. Mit diesen Elementen des performativen Handelns spannte Bjørn ein Feld auf, zweifelsohne auch unterstützt von den schreienden Studierenden, in dem peinliches Berührtsein potenziell alle anfasste. Und daran ist etwas Ent-Souveränisierendes in Bezug auf alle Anwesenden, was, glaube ich, Orientierung bieten kann, wenn es darum geht, autoritätskritische und antifaschistische Ästhetiken zu entwickeln.
Björn: Der Affekt der Scham war zunächst für mich nicht handlungsleitend. Sicher lehnte ich mich weit aus dem Fenster, und ich wusste, dass die Aufforderung zu Schreien als kindliches Moment des Nicht-mehr-aushalten-Könnens und -Wollens vehement mit den Gewohnheiten bricht. Dieser Schritt war mit dem diesjährigen Rundgangshema 'eXtase' als einem Aus-sich-Herausgehen verbunden, und die Eröffnungsrede als kollektives Schreien war im Programm-Flyer angekündigt lange bevor die konkreten Kürzungsvorschläge des Präsidiums bekannt wurden. Damals war es gedacht als: jetzt schreien wir erst mal, um uns vom Erwachsen-Sein zu lösen und fallen zu lassen. Aber dann fielen die eXtase-Eröffnung und die politische Situation zusammen bzw. wollte ich sie in der Rede zusammenführen, um mich und die Zuhörenden in eine ganz andere Situation zu begeben, auch der Scham und auch der Infantilität.
Angela: Auch mich überrascht das Thema der Scham zunächst. Bjørn und ich hatten ja wochenlang im Zuge der Rundgangsvorbereitung über Aus-sich-Heraustreten nachgedacht und darüber, was geschieht, wenn man in einem Zustand der Extase ist. Scham kam wirklich gar nicht in meinem Lexikon möglicher Gefühle vor. Aber ich dachte über den Moment der Störung nach, und darüber, was die unausgesprochenen Regeln eines solchen Eröffnungsevents sind, wenn der Minister kommt und auch die Präsidentin anwesend ist, auch in Bezug auf die Performance einer spezifischen Höflichkeit. Mir fällt der Moment im Parlament Neuseelands ein, als ein neues Gesetz durchgesetzt werden sollte, das die Rechte der Maori unterminiert. Eine junge Abgeordnete, Hana-Rawhiti Maipi-Clarke, performte einen Haka und störte die herrschenden Konventionen durch eine andere Art des Ausdrucks, der ja einen sehr explizit performativen Charakter hat.[4] Das ist ja auch eine Art der Kommunikation, die aber ganz andere Affekte adressiert und aufruft. Wie Bjørn schon sagte, wir dachten über kollektives Schreien auch als Moment des Agierens gegen den herrschenden gesellschaftlichen Druck nach, und über eine Kommunikation, die einen körperlichen Moment inkludiert. Und sie schuf ja auch neue Energie, auch für die Studierenden, um noch mal andere Ideen zu entwickeln. Sie war ermächtigend und verbindend und setzte die Studierenden in Bewegung, die ebenso durch politische Gesten kommunizierten, dass wir diese Art von Politik nicht akzeptieren und diese Art des ökonomischen Denkens nicht annehmen wollen.
Bjørn: Ich fand die Handlung Hana-Rawhiti Maipi-Clarkes im neuseeländischen Parlament und der anderen Anwesenden, die sie unterstützten, großartig, diese Formen des Ausdrucks interessieren mich. Die herrschenden Formen öffentlichen Ausdrucks sind in unseren Gesellschaften von bürgerlichen Regeln geprägt, und dem wurde eine Form entgegengesetzt, die erst mal einen Strich zieht und sagt: so nicht! Jan sprach den Bereich des Theaters an, der ein geschützter Raum der Kunst ist, in dem ja Fiktionalisierung häufig als Tool genützt wird, und die Grenze zwischen Fiktionalisierung und Diffamierung wird ja durchaus auch in der Rechtsprechung immer wieder verhandelt. Fiktionalisierung ist ein Instrument, um etwas zu sagen, das dann in einem neuen Raum steht – eben im Raum der Kunst. Sie ist also ein Instrument, den Raum der Kunst zu nutzen. Und weil wir eine Kunsthochschule sind, haben wir auch eine andere Sprache, die überraschen kann, und in der auch andere als die bürgerlich sanktionierten Ausdrucksformen gewählt werden. Und wenn wir über Scham sprechen wollen: wer sich schämen sollte, ist die Uni und bestimmte Personen, die auch in dem Raum saßen und für die Dinge, die ich ansprach, zuständig sind. Ich sprach ja vom Master Control Program auch aufgrund von Erfahrungen, die durchaus erniedrigend waren. Diese Form der politischen Rede, die aus dem Bürgerlichen innerhalb des Kunstraumes austritt – das interessiert mich.
Johanna: Ich finde Eure Überlegungen zur Infantilisierung von Protest wichtig, da das Infantilisieren von Aussagen und Positionen eine besonders effektive Strategie ist, um diese aus dem Feld des Politischen auszuschließen. Bjørns performative Geste ist allerdings riskant, weil sie die infantilisierende Zuschreibung affirmiert. Aber mich interessiert an seinem Handeln eben die Dimension des Peinlichen, die, so meine Hoffnung, autoritär identifizierte Zuhörende destabilisieren kann.
Jan: Mir fielen neben dem Schreien auch andere performative und rhetorische Elemente auf wie zum Beispiel die Freistellungsansage jeweils am Anfang und am Ende, die einen Bruch mit der klassischen Eröffnungsrede ankündigten, wenn Bjørn eben sagte, “das ist jetzt nur meine Meinung, ich spreche nicht für die gesamte Kunsthochschule”. Die Vorstellung, nun einer Eröffnungsrede zuzuhören, für die zudem auch der Minister anwesend ist, war zunächst anstrengend. Es gab ja sehr wohl bereits den Protest gegen die Kürzungen und eben keine Vollversammlung der Studierenden, sondern grasswurzelmäßig sagten einzelne Studienbereiche, wir sperren unsere Räume zu und bestreiken die Eröffnung. Das wurde weitergesagt, verbreitete sich und war eben nicht abgesprochen. Damit fehlte die Rahmung, manche machten später die Klassenräume wieder auf, und dann gab‘s ein wenig Streit. Ich ging also zur Rede mit dem Gedanken, das wird jetzt anstrengend. Aber dann geschahen die Dinge wie diese Freistellung, und durch den glücklichen Zufall des Regnens wird es auch noch im Saal theatral. Und die anderen Protestformen waren ja auch noch vorhanden: Leute halten Transparente hoch, jemand wird niedergebrüllt... Und dann kamst Du, Bjørn, mit dem Holzlöffel auf deinen Topf klopfend, vielleicht sogar in Absprache mit den Studierenden, vielleicht war's schlicht ein großartiger Zufall. Und es gelang Dir, dass die lautstark Protestierenden während der Ministerrede auch wieder leiser wurden. So waren der Protest und der Minister gleichzeitig da, und das war ein wichtiger Moment. Und ja, da war schon Scham, es war mir peinlich, das macht man doch nicht, dass man jemand nicht ausreden lässt. Gleichzeitig fand ich den Protest richtig – da war schon eine Zerrissenheit in mir. Und dann kommst Du, Bjørn, und es springt mich dieser Mut an, dieses 'Kein Blatt vor den Mund nehmen', und ich denk mir, wie großartig, das hätte ich mich nicht getraut. Davon lasse ich mich kriegen und werde, so wie Du es eben wolltest, extasisiert. Beim Rausgehen hinterher denke ich mir, wow, das war ja eine Veranstaltung wie im Theater oder im Zirkus, wie ein Kind, an mir wurde so richtig körperlich gerüttelt. [Bjørn lacht] Und es fühlte sich für mich und ich glaube für viele wie ein Sieg an, auch wenn das falsch ist und gefährlich: wir haben es geschafft, wir haben endlich mal gesagt, was Sache ist. Und Deine Rede war ja viel zu lang und wurde so zur Qual, die aber extra war, im Sinne von: ihr [die Leitung der Universität] quält uns und jetzt quälen wir euch zurück, denn ihr könnt nicht aufstehen, sondern müsst zuhören, alles andere wäre aufgrund der Anwesenheit des Ministers ein Eklat. Und mir schien, dass Studierende und Kolleg*innen um mich herum ähnliche Wahrnehmungen und Gefühle hatten. Dramatisch war dann aber, dass sofort danach die vorlesungsfreie Zeit losging, während aber die Mühlen der Administration weiter mahlen.
Bjørn: Ich hatte mich mit niemandem abgesprochen und wusste nicht, dass auch die Zuhörenden Töpfe dabeihatten. Ich brachte den Topf mit dem Kochlöffel als Bezug auf die Gezi Park Proteste in Istanbul mit, die ich in der Rede auch erwähne, weil das eine für mich enorm bewegende Erfahrung war, als auf beiden Seiten des Bosporus die Fenster aufgingen, man eine Million Töpfe klackern hörte, die Lichtschalter ein und ausgeschaltet wurden, und eine riesige Menge an Menschen entstand, die gemeinsam sagte: “Stop, jetzt reichts”!
Jan: Das, was rund um den Rundgang geschah, und jetzt auch weiter geführt wird, mit großartig gestalteten Protestplakaten, den vielen Transparenten mit ihren klugen, scharfen und witzigen Slogans, abgedruckten Reden, Gesprächen mit Journalist*innen, Podcasts, auf Social Media veröffentlichten Fotos der verschiedenen Aktionen[5], offenen Briefen, mehreren Schreiben an die Uni-Leitung[6] und an verschiedene Kolleg*innen an der Universität im Senat, all das sagt: Seht, wir haben vielleicht keine Chance, aber wir nutzen sie, und das sind unsere Inhalte!
Angela: ...während, wie Bjørn ja auch in der Rede sagt, der Staat sich freut über den Aufwuchs der Rüstungsindustrie und die gleichzeitigen Stellenkürzungen an einer Kunsthochschule.
Bjørn: Ich habe dem nichts hinzuzufügen außer, dass ich mir wünsche, dass man den Raum der Kunst als großes Experimentiertfeld nutzt. Ich selbst jedenfalls will hier weitermachen.
Gesprächs-Transkription und Redaktion: Johanna Schaffer
[1] Siehe Schreiben des Rektors und der Rektoratsgeschäftsführung an die Präsidentin vom 21.07.2025, Schreiben der vom Kunsthochschulrat eingesetzten AG Strategien-Kürzungen an das Präsidium der Universität vom 20.08.2025, Schreiben des Rektors und der Rektoratsgeschäftsführung an die Präsidentin vom 09.09.2025 (alle Schreiben liegen den Gesprächsteilnehmenden vor).
[2] M. Gessen, The Chilling Consequences of Going Along With Trump, The New York Times, 08.02.2025, https://www.nytimes.com/2025/02/08/opinion/trump-power-surrender.html (abgerufen am 09.09.2025)
[3] M. Tsimitakis, The Adults Are Back in Charge of Greece. And They Are Really Right-Wing. The New York Times, 05.08.2019, https://www.nytimes.com/2019/08/05/opinion/mitsotakis-greece-election.html (abgerufen am 09.09.2025)
[4] Kathryn Armstrong, Maori haka in NZ parliament to protest at bill to reinterpret founding treaty, BBC News, 14.11.2024, https://www.bbc.com/news/articles/cvgwve4j176o (abgerufen am 09.09.25 - mit der Empfehlung, sich das auf dieser Seite stehende Video anzusehen)
[5] https://bsky.app/profile/khk-gg-kuerzungen.bsky.social und https://www.instagram.com/khk_gegen_kuerzungen/
[6] Siehe FN 1